Privater Lockdown!

Als ich gestern Morgen ziemlich direkt nach den Aufwachen mit der Meldung von mehr als 20.000 Neuinfizierten konfrontiert wurde, mir dann noch die Prognosen für die nächsten Wochen gründlich reingepfiffen habe, haben wir hier Zuhause, nicht zuletzt in der Kenntnis, dass es offiziell gefühlt nur „hin und her“-Entscheidungen sowie „vor und zurück“-Handlungen und „nichtsgenauesweißmannicht“-Signale gibt, beschlossen, dass wir ab sofort in den eigenen Lockdown gehen.

Nein, ich bin nicht auf Krawall gebürstet, finde stattdessen die Aggressivität, den Hohn, das Mit-dem-Finger-drauf-zeigen, die Besserwisserei untereinander erschreckend und streckenweise unbeschreiblich peinlich. Da mach ich nicht mit, ich hab echt Besseres zu tun. 

Was ist richtig, was ist falsch – kann das überhaupt jemand souverän entscheiden? Gerade wenn es darum geht, so viele Ebenen wie möglich im Auge zu behalten, nicht nur die gesundheitliche. Das mit der Politik liegt in anderen Händen und ich möchte in deren Haut definitiv nicht stecken, aber ich nehme mir das Recht raus, jetzt und hier FÜR MICH zu entscheiden bzw. haben mein Mann und ich uns gemeinsam für unseren privaten Lockdown entschieden.

Weil wir es wollen...

Wollen muss man das schon und wir wollen, weil:

  • CORONA SOLL UNS FERN BLEIBEN! Das steht ganz vorne, die Gesundheit. Ja, so einfach ist das – und da können wir etwas für tun, so lange es noch keine greifbare Alternative gibt. Selbstfürsorge. Eigenverantwortung. 

Aber da gibt es noch mehr:

  • Wenn wir schon einmal Zuhause bleiben, sind das ZWEI Menschen weniger, die andere anstecken können. ZWEI sind natürlich nicht viel, aber „Kleinvieh macht auch Mist“ heißt es und wer weiß, vielleicht sind wir mit unserer Entscheidung nicht allein?

Dann hab ich noch was Tolles (mein Mann nicht so):

  • Ich habe Zeit. Und ich hab eine ziemlich lange Liste an Dingen, die gerne mal erledigt und erlebt werden würden UND für die ich Haus und Hof nicht verlassen muss. Ich kann mich (theoretisch) also ausführlich beschäftigen, wenn ich das denn möchte.

Weil wir es können...

Es gibt wahrscheinlich zig Gründe, weshalb das mit einem eigenen Lockdown nicht für jeden so einfach ist oder schlicht nicht machbar, das entscheidet jeder für sich. Wir haben das große Glück, als echtes Privileg wertschätze ich das, dass bei uns die Voraussetzungen kaum günstiger sein könnten:

  • Ich bin nicht allein – ich habe meinen Mann an meiner Seite (wobei das manchmal schon schön knallen kann!)
  • In Häuschen mit Garten zu leben, weiß ich sehr zu schätzen. Dazu gehören ausreichend Platz inklusive reichlich Tiefkühltruhe – Vorräte können also spielend eingelagert werden
  • Wir wohnen auf dem Land, um uns herum ist genug freilaufende Natur, so dass wir jederzeit in alle Richtungen raus können, ohne uns mit anderen zu knubbeln
  • Wir arbeiten beide derzeit komplett von Zuhause aus
  • Darüber hinaus habe ich in den kommenden Tagen frei – kann ziemlich entspannt den Tag und meine Stimmung nehmen, wie sie kommt
  • Unsere Kinder sind erwachsen, Enkelkinder nicht in Sicht
  • Wir haben keine Familienmitglieder, die Betreuung brauchen
  • Selbst brauchen wir auch keine Betreuung, müssen nicht regelmäßig zum Arzt
  • Internet & Telefon als Verbindung zur Außenwelt laufen zuverlässig, wenn wir das wollen
  • Unser persönlicher Bedarf an Entertainment in Form von Pauschalreisen, Kino, Konzerten, Shopping, etc. ist von jeher so gut wie gar nicht vorhanden
Mein Lockdown

Also los!

Und mit dieser festen Entschlossenheit des Morgens habe ich einen Berg Einkaufsbeutel und mein Portemonnaie geschnappt und habe entsprechend so eingekauft, dass wir nun die nächsten zwei Wochen Zuhause klarkommen müssten. „Müssten“, weil mein Kopf noch ein wenig unsicher ist, ob wir wirklich alles Nötige haben. Stimmt aber vielleicht nicht, das werden wir sehen. Letztendlich ist der Einkauf von Lebensmittel auch in einem Lockdown völlig in Ordnung, dennoch will ich es möglichst nicht brauchen.

Übrigens:

Nein, ich tu gar nicht so, als sei Corona für mich kein Problem! Ich hab viel geweint in den letzten Wochen und Monaten, war wütend, es gab Spuren von Verzweiflung und Resignation und garantiert werden mich solche, in Wellen aufkommenden Gefühle weiterhin begleiten. Ich geb einfach mein Bestes, auch wenn das manchmal nicht viel sein kann – Augen zu und durch. Könnte ich einfach einschlafen und erst dann aufwachen, wenn der ganze Spuk vorbei ist, glaubt mir, ich würd mir sofort den Schlafanzug anziehen, die Zähne putzen und ohne Gute-Nacht-Geschichte ins Bett rutschen!

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