Ich vermisse Zitrusfrüchte!

Vorgestern kam meine Tochter nach Hause und hatte einige Mandarinen in den Händen. Echte Zitrusfrüchte, in meinem LCHF-Haushalt. Pfoah, he!

Nein, mal im Ernst, damit habe ich gar kein Problem, Zitrusfrüchte gehören nicht unbedingt zu den Dingen im Leben, die ich großartig brauche oder vermisse. Aber ich weiß, dass es vielen bei Keto oder LCHF ganz anders ergeht: Teilweise können da echte kleine Süchteleien aufkommen, harter Zitrusfruchtschmacht. Und als mir diese Mandarinen ins Auge fielen, dachte ich, ich könnte euch ja mal mit meinen Gedanken dazu versehen. 

diverse Zitrusfrüchte in Scheiben

Die Magie der Zitrusfrüchte

Hätte ich eine Liste, was Menschen bei LCHF am meisten vermissen, dann stünden die Zitrusfrüchte glasklar darauf notiert. Neben frischem Laugengebäck, krossem Baguette, schlonzigem Eis und kühlem Bierchen, würde ich mal sagen. 

Jedenfalls glaub ich feste, dass man einfacher mit Schmacht umgehen kann, wenn man eine Ahnung hat, woher er ungefähr kommt. Auch dazu hab ich ein paar Ideen!

Schmacht mit Tradition?

Auffällig finde ich, dass der Schmacht auf Zitrusfrüchte sich ziemlich auf den Jahreszeitraum von hier bis Neujahr konzentriert, jedenfalls in der ausgeprägtesten Heftigkeit. Jedenfalls für die Kollegen Mandarine, Orange & Co. 

Grapefruit hingegen umweht eher eine Aura von „furchtbar gesundes Frühstück“ (bewusst in Anführungsstriche und invers gesetzt), Zitrone & Limette verwenden wir wohl ziemlich ganzjährig, ob in der Küche oder im kühlen Drink, nicht wahr?

Vermutlich hat es etwas damit zu tun, dass wir zumindest Zitrusfrüchte wie Mandarinen, Clementinen, Satsumas und vor allem die Orangen ein wenig mit winterlichen Traditionen verknüpft haben – nämlich mit St. Martin, Nikolaus und Weihnachten. Oder hattest du noch nie eine Mandarine in deinem Nikolaus-Stiefel oder auf deinem Lecker-Teller, den es an Weihnachten immer dazu gab?

Aber so einfach kann es nicht sein, denn wie heißt es so schön im „Knecht Ruprecht“ von Theodor Storm:

„Äpfel, Nuss und Mandelkern essen fromme Kinder gern.“

und im weiteren Verlauf…

„So nehmet denn Christkindleins Gruß,
Kuchen und Äpfel, Äpfel und Nuß*;“

(* Service für die Jüngeren unter euch: Ja, damals wurde Nuss noch Nuß geschrieben – ab der Rechtschreibreform 1996 war das dann aber nicht mehr i.O..)

Schau an, da steht nichts von Orangen oder Mandarinen! Tatsächlich kenn ich wohl ganz vereinzelten Schmacht nach Äpfeln und auch nach Nüssen oder Mandeln, aber das kommt bei weitem nicht an die Zitrusfrüchte ran. 

Unterbewusst gesetzter Schmacht?

Theoretisch kann ich mir auch vorstellen, dass es etwas damit zu tun hat, dass wir gerade Zitrusfrüchte mit „gesund“ und vor allem „Vitamin C“ verknüpft haben. Auf den Verpackungen von Lebensmitteln oder z.B. Bonbons (die würd ich nie zu Lebensmitteln zählen! Ich weigere mich!) prangt, sofern Vitamin C enthalten, resp. meist eher künstlich zugesetzt ist, immer eine hübsche Zitrone. Ab und an auch ein Bündel Zitrusfrüchte. Und glaub mir, das setzt sich im Hirn fest mit der Zeit.

Dabei weiß das bereits dahingehend geschulte Brain, dass es sogar reichlich Gemüsesorten gibt, denen mehr Vitamin C nachgesagt wird, als der sagenumwobenen Repräsentantin des Vitamin Cs, der Zitrone.

Der Referenzwert für ZITRONENSAFT von der Uni Hohenheim: 28,1 mg pro 100 g! Das ist ungefähr so viel wie in Radieschen (!) und vor allem weniger als u.a. Paprika, Petersilie, Blumenkohl, Brokkoli, Fenchel und Kohlrabi (als frische Rohkost jeweils).

Na, aber mal ganz platt gesagt: Würdest du „gesunde Bonbons“ kaufen, wenn darauf ein Blumenkohl als Lockmittel für Gesundheit abgebildet wäre? Oder ein Brokkoli? Ein Strauß Petersilie?

Tsja, ich sag’s ja, das sitzt fest!

Funfact: Salami & Vitamin C

In Salami steckt nicht selten mehr Vitamin C als in einem frischen Apfel pro 100 g! Das kann bis zu viermal (!) mehr sein sogar. Jaha, das hab ich schon in meinem Buch „Entpuppt“ anno 2014 notiert. 

Da wird das Vitamin C in Form von s.g. Ascorbinsäure nämlich hinzugefügt, damit die Wurst länger haltbar ist und um zu verhindern, dass die Wurst grau wird durch Oxidation! 

Neeee, du brauchst jetzt gar nicht „Iiiiiieeeeehhhh“ quieken – das ist schließlich grundsätzlich nichts anderes als, wie vor erwähnt, bei vielen anderen Lebensmitteln und vor allem diesen „guten“ Süßigkeiten. 

Funfact: Der berühmte Tee mit heißer Zitrone

Da halte ich mich nicht lange auf, sondern zitiere den Artikel zum Vitamin C auf meiner Webseite LCHF.de:

„Vitamin C ist wasserlöslich und in seiner Reinform ein weißes, geruchloses Pulver, das äußerst hitzeempfindlich ist. Vitamin-C-haltiges Gemüse darf also nur sehr zurückhaltend erhitzt werden, noch besser ist es, wenn man es als „Rohfutter“ verzehrt.

Die beliebte heiße Zitrone gegen Erkältungen ist deshalb Vitamin-C-technisch gesehen eher nutzlos – aber zumindest befeuchtet der heiße Dampf die trockenen Schleimhäute.“

Unterschiedliche Lösungsansätze

Bei akutem Verlangen, das Zitrusfrüchte betrifft, sind folgende Maßnahmen denkbar.

Riechen statt schmecken

Jacqui (der Link führt zu ihrer Erfolgsgeschichte uaf LCHF.de) hatte diesen Schmacht auch im ersten Winter mit LCHF. Ihre Lösung: Sie hat sich ein Duschgel mit Orangenduft gekauft. Und der Duft hat ihr gereicht, den Zitrusfrüchte-Schmacht in den Griff bekommen.

Gute Idee, könnte ja auch bei dir funktionieren. Soweit ich mich kenne, hätte ich da allerdings berechtigte Zweifel, so schnell lässt sich ein Schmacht bei mir nicht ausschalten. 

Fehlt dir was?

Ich bin der festen Überzeugung, dass unser Körper ziemlich schlau ist. Manchmal kann es also sein, dass er dir mit dem Verlangen nach bestimmten Lebensmitteln etwas sagen möchte, nämlich dass du irgendwo einen Mangel hat. 

Mein liebstes Beispiel dazu stammt von mir selbst: In meiner ersten Schwangerschaft entwickelte ich ein unglaubliches Gelüst auf Haferflocken. Interessant insofern, als dass ich Haferflocken im Normalzustand überhaupt nicht mag! Beim nächsten Besuch bei meiner Frauenärztin erzählte ich ihr von diesem Phänomen, weil ich mich tagtäglich gezwungen sah, unglaubliche Mengen Haferflocken zu verzehren. Sie nickte nur und sagte: „Ach Magnesiummangel, ich schreib ihnen was auf!“ 

Von dem Moment an, in dem ich Magnesium einnahm, war das Gelüst weg. Ich brauchte keine Haferflocken mehr.

Also schau mal, wenn ein Gelüst auftritt, was darin in besonderem Maße enthalten ist. Und supplementier das vielleicht mal eine Weile.

Wichtig: Gerade wenn dein Körper dir was von einem harten Gelüst nach z.B. Pommes, Schokotorte, Chips, Pizza, weißer Schokolade mit Crunch oder Wassereis vorgaukelt – hör nicht zu! Das hat nämlich ganz sicher einen ganz anderen Grund.

Vor allem wird der sich nicht mit einer Magnesiumtablette beheben lassen. 😉

Eine Frage des Haushaltens

Im O-Ton sag ich ja gern: „Die Menge macht das Gift!“, aber das klingt so unfassbar negativ. Darum hab ich jetzt auf das „Haushalten“ als diplomatischere Formulierung umgeschwenkt. 

Jedenfalls hab ich im ersten Schritt mal geschaut, wie viele Kohlenhydrate in den diversen Arten Zitrusfrüchte so herumlungert. Und ich finde: Ej, soooo viel ist das jetzt auch nicht. Und die tun sich auch untereinander nicht so besonders viel, oder? 

Ja, natürlich fordert ketogenes LCHF eine echte Minimierung der Kohlenhydrate, aber ich finde, dass es durchaus im Rahmen ist, wenn man ab und an mal ein wenig davon isst. Nochmal: ICH finde! 

Übersichtstabelle Kohlenhydrate bei Zitrusfrüchte

Wichtige Tipps - falls du Zitrusfrüchte in Maßen essen möchtest

a) Nasche es am besten direkt als Nachtisch zu einer echten Mahlzeit. Zwischenmahlzeiten vermeiden wir ja eher. Warum? Neeee, nicht jetzt, mach ich vielleicht ein anderes Mal. 

b) Natürlich kommst du gar nicht erst auch nur im Entferntesten auf die Idee, das zu tun, wenn du ahnst, dass das alle Futter-Schleusen bei dir öffnen könnte, wenn es dein Kryptonit ist, wenn das das Anfang vom Ende all deiner Bemühungen wäre – denn dann wärst du echt ein wenig blöd (tschuldige!). Wobei… Obacht… du musst stets wachsam sein, denn es gibt da Stimmen in deinem Kopf, die dir erzählen könnten, dass das völlig okay ist. Ich hab das leider schon viel zu oft erleben müssen. 

c) Ich habe da mal die Mandarinen meiner Tochter auf die Waage gelegt. 59 g, 62 g, 59 g. Geschält brachte es dann eine Referenz-Mandarine auf 50 g. Das wären dann 5 g Kohlenhydrate pro Stück. Wie gesagt, für mich völlig okay. Darum mein Tipp: Nimm eine Mandarine, pell die und genieße sie reuelos (ganz wichtig!) am Stück. Ich würde weder eine Grapefruit oder Orange nehmen, denn dann wäre es entweder zu viel für eine Mahlzeit (denn da ist ja ansonsten hoffentlich noch Gemüse drin!) oder du hast Reste. Finde ich ungünstig, also Reste, denn die sind eh dann trocken, die Vitamine sind tot oder… du isst sie doch komplett auf. *Herzchen*

d) Nein, nicht täglich. Mehrfach täglich erst recht nicht. Über mehrere Zitrusfrüchte gleichzeitig und mehrfach täglich diskutiere ich mit keinem LCHFler. Echt nicht. 

Und jetzt?

Jetzt entscheidest DU weise.

Ja, ich trau dir das zu. 

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4 Antworten

  1. Liebe Annika,

    eventuell ist es bei den orange-gefärbten Zitrusfrüchten auch der, gegenüber den gelben und grünen Sorten, „wärmere“ Farbton, der den Schmacht danach auslöst – oder auch die mit einem Urlaub in den Herkunftsländern verbundene, sonnigere Erinnerung?

    Da könnte ein in der Farbe ähnliches, dafür eher öfter verwendbares Gemüse möglicherweise für den ein oder anderen eine echte Alternative in der dunklen Jahreszeit bieten 🙂

    So könnte es wohl auch in manchen Fällen noch ein eher „emotionaler Hunger“ sein, der den Rückfall verursacht – vielen Dank für dieses interessante „Thema des Tages“ *youmakedefinitivmyday*

    Herzliche Grüße sendet Dir

    Dein Rösle

    1. Hej Rösle,

      ja, alle Sinne können da eine Rolle spielen – sehr guter Gedanke. Und auch die Kopplung an schöne Urlaubserinnerungen, daran hab ich nicht gedacht – wohl weil ich nicht so der Sonnenurlauber bin und mir daher solche Erinnerungen schlicht fehlen. Schöne Denkanreize!

      Und danke für das Lob. <3

      Ich wünsch dir einen hervorragenden Tag,
      Annika

      1. Ja, ich weiß jetzt inzwischen auch wieder, wie ich auf den mit den Farbtönen verbundenen Gedanken bzw. „fixe Idee“ kam:

        Neulich las ich andernorts in einem Post das Wort „Grünzeug“ (das dabei quasi pauschal alle Sorten grüner Gewächse und Früchte zusammenfassen sollte?, in einem eher negativ-abwertend, abwehrenden Kontext 😉

        Einen fröhlichen und möglichst gewitterfreien Donnerstag wünsche ich Dir 🙂

        1. Hej Rösle,

          war bei euch Gewitter? Hier war das Wetter sehr schön.

          Och, Grünzeug hab ich bei mir nicht negativ als Begriff abgespeichert (wohl den Begriff „Hasenfutter“ schon!).

          Schönen Ausklang des Wochenendes wünsch ich!

          Annika

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